Wissenschaftliche Beweise
Als die Wissenschaft in ihrer heutigen Form aus der Entdeckung der Naturgesetze heraus entstand, war der wissenschaftliche Beweis ein revolutionäres neues Wahrheitskriterium, das einen riesigen Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit bedeutete: Das elementare Verhalten der Materie ließ sich mit mathematischen Formeln beschreiben, dadurch vorausberechnen und dann durch Messungen bestätigen - ein absolut zwingender und überzeugender Beleg der Wahrheit.
Zwei Faktoren treffen dabei zusammen:
- die präzise Übereinstimmung der mathematischen Formeln mit dem Verhalten in der Realität: Das rationale Konstrukt ist identisch mit der Wirklichkeit.
- die hohe Wirksamkeit der Anwendung dieses Wissens in Form der Technologie: Das elementare Verhalten der Materie wird für den Menschen tatsächlich praktisch beherrschbar.
Diese Eigenschaften wissenschaftlicher Beweise von Naturgesetzen waren einerseits der Auslöser, um die Wissenschaft zum einzig legitimen Wahrheitsprinzip zu verallgemeinern, andererseits waren sie aber auch Teil der Verallgemeinerung. Was eigentlich ein sehr spezifischer Sonderfall war, wurde als allgemeingültig auf die ganze Realität ausgedehnt:
- rationale Modelle als identisch mit der Realität anzusehen
- rationale Modelle als absolute Wahrheit zu handhaben
- Rationale Modelle können sich der Realität immer nur annähern.
- Rationale Konstrukte besitzen keinen absoluten Wahrheitsgehalt. Sie können höchstens nützlich sein, indem sie den Menschen befähigen, erfolgreich mit seiner Umwelt zu interagieren (z.B. durch Lösung von Krisen und Problemen oder Heilung von Krankheiten)
Als sich die Wissenschaft auf immer größere Bereiche der Realität auszudehnen begann, mussten sich wissenschaftliche Beweise zwangsläufig verändern, weil das, was für das elementare Verhalten der Materie und die Naturgesetze gilt, eben nicht auf die ganze Realität verallgemeinerbar ist. So lassen sich heute 3 grundsätzlich verschiedene Formen von wissenschaftlichen Beweisen unterscheiden:
1. Naturgesetze
Die (nahezu) vollkommen exakte Beschreibung des elementaren Verhaltens der Materie lässt sich beweisen, indem das Verhalten der Materie mit Hilfe mathematischer Formeln vorausberechnet und dann durch Messen auf Übereinstimmung mit der Realität geprüft wird.
2. Statistik-Wissenschaft
Die Gesetzmäßigkeiten super-komplexer Systeme wie dem menschlichen Körper oder dem Ökosystem der Erde haben einen signifikanten nicht-gesetzmäßigen (scheinbar zufälligen) Verhaltensanteil. Deshalb lassen sie sich nicht mit exakten Formeln beschreiben. Stattdessen kommt ein anderes mathematisches Verfahren zum Einsatz: die Statistik. Die Statistik beschreibt die Wahrscheinlichkeiten, mit welcher die von der Wissenschaft erkannten Bedingungen zu einem bestimmten Ergebnis führen - weil sie eben nicht immer zum gleichen Ergebnis führen. Die Statistik-Wissenschaft ist mit einer Reihe von grundlegenden Irrtümern behaftet:
- Die Exaktheit der Statistik täuscht darüber hinweg, dass ein ganz wesentlicher Teil der eigentlich benötigten Information fehlt: Was bestimmt den scheinbar zufälligen und damit unkontrollierbaren Verhaltensanteil?
- Wenn unter bestimmten Bedingungen 6 von 10 Menschen von einer bestimmten Konsequenz betroffen sind, dann geht die Statistik-Wissenschaft davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für alle gleich ist, weil sie irrtümlich annimmt, dass nur die messbaren materiellen Faktoren die Wahrscheinlichkeit bestimmen und rein innerpsychische Zusammenhänge keine Rolle spielen.
- Die Statistik-Wissenschaft ordnet Ereignissen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gleichzeitig auftreten, Ursache-Wirkung-Beziehungen zu. Das ist aber eine absolut unzulässige Form der Schlussfolgerung. Da ein Teil der Bedingungen nicht bekannt ist, könnte es sich genauso gut um zwei Wirkungen einer bisher unerkannten Ursache handeln.
Beispiel: Wenn festgestellt wird, dass Menschen, die an Multipler Sklerose erkranken, häufig einen Vitamin-D-Mangel haben, wird geschlussfolgert, dass der Vitamin-D-Mangel eine Ursache für die Entstehung von Multipler Sklerose sein könnte. Es könnte aber auch genauso gut sein, dass sowohl der Vitamin-D-Mangel als auch die Multiple Sklerose die Folge einer bisher unerkannten Ursache sind.
3. Erklärende Theorien
Theorien wie die Evolutionstheorie und die Urknalltheorie werden dann als wahr angesehen, wenn möglichst viele Experten des entsprechenden Fachgebiets ihnen zustimmen: “Hunderte oder Tausende von Wissenschaftlern können sich nicht irren!” Doch! Genau das tun sie, wenn sie alle den gleichen unbewussten Grundüberzeugungen folgen und diese Grundüberzeugungen aber nicht mit der Realität übereinstimmen.
Aber was ist dann wahr?