Entwicklung und Verstand
Der Verstand agiert immer nur in der Verhaltensebene. Dennoch hält sich der Verstand für die einzige Instanz, die zu zielgerichteter Entwicklung fähig ist. Das liegt daran, dass ein Teil von Entwicklung eng mit der Funktion des Verstandes verbunden ist. Das Bewusstsein setzt den Verstand als Werkzeug für eine spezifische Form von Entwicklung ein. Das Bewusstsein lenkt den Verstand genauso, wie es den Körper lenkt. Der Verstand erkennt aber nicht, was daran die eigentliche Entwicklung ist. Vor allem aber erkennt der Verstand nicht, wie der Teil von Entwicklung funktioniert, der ohne ihn stattfindet.
Betrachten wir als Ausgangspunkt deshalb zunächst den Teil von Entwicklung, an dem der Verstand beteiligt ist:
Der Verstand ermöglicht es dem Bewusstsein,
- Gesetzmäßigkeiten im Verhalten der Materie in einem rationalen Modell der Realität abzubilden
- und durch Anwendung der Gesetzmäßigkeiten Verhalten zu steuern.
Eine Gesetzmäßigkeit verbindet eine Bedingung mit einer Konsequenz:
Gesetzmäßigkeit: Bedingung ⇒ Konsequenz
Wann immer die Bedingung gegeben ist, tritt die Konsequenz ein. Um eine Gesetzmäßigkeit anzuwenden, muss der Verstand die Bedingung erfüllen, damit die Konsequenz eintritt. Die Anwendung einer Gesetzmäßigkeit ist eine Interaktion mit der Materie:
Im Grunde ist das so eine Art Tauschgeschäft mit der Materie: Der Verstand setzt Energie ein, um die Bedingung zu erfüllen und dafür bekommt er im Gegenzug von der Materie die Konsequenz. Das macht nur dann Sinn,
- wenn die Konsequenz einer Absicht entspricht - also erstrebenswert erscheint und
- wenn der Verstand die Konsequenz nicht auf andere, leichtere Weise erreichen kann.
Die Materie verrichtet für den Menschen Arbeit. Der Mensch delegiert Verhalten an die Materie - zum Beispiel, wenn man mit dem Auto ein paar Hundert Kilometer in den Urlaub fährt: Das ist viel angenehmer, als mit den Koffern unterm Arm in den Urlaub zu laufen.
Aber Entwicklung ist die Erweiterung von Verhaltensmöglichkeiten. Um seine Verhaltensmöglichkeiten zu erweitern, muss der Verstand irgendwie an neue Gesetzmäßigkeiten herankommen. Dafür gibt es 2 Wege:
- in der Umgebung bereits vorhandene Gesetzmäßigkeiten neu entdecken (z.B. die Naturgesetze)
- aus bereits bekannten Gesetzmäßigkeiten durch Kombination neue Gesetzmäßigkeiten zusammensetzen (z.B. Technologie)
Die Entwicklung, die der Verstand sich selbst zuschreibt, erscheint so schnell, weil sie bereits bestehende Gesetzmäßigkeiten als Grundlage einsetzt:
- Die Gesetzmäßigkeiten, die der Verstand verarbeitet, waren ja schon da. Er musste sie nicht entwickeln. Sie waren schon da und sobald sie Teil des rationalen Modells waren, konnte der Verstand sie anwenden.
- Und auch bei der Entwicklung von Technologie werden Gesetzmäßigkeiten, die bereits existieren, wie in einem Baukasten zu neuen Gesetzmäßigkeiten zusammengesetzt.