Verstand

Wissenschaft basiert auf dem wissenschaftlichen Beweis. Ein wissenschaftlicher Beweis bedeutet, die Gültigkeit einer Behauptung anderen Menschen nachvollziehbar vorzuführen. Das funktioniert nur, wenn Vorführender und Empfänger alle Elemente des Beweises gleichzeitig wahrnehmen können. Das wiederum ist nur für die Sinneswahrnehmung gegeben. Die Wahrnehmung des Menschen geht jedoch über die Sinneswahrnehmung hinaus. Sie kann sich auch dem Inneren der Psyche zuwenden. Innerpsychische Wahrnehmungen können nicht Teil wissenschaftlicher Beweise sein. Sie werden von der Wissenschaft als unwissenschaftlich abgewertet, was so viel bedeutet wie irreführend, lächerlich und dumm. Die Wissenschaft betrachtet das Innere der Psyche als reine Reflexion der Sinneswahrnehmung. Aus ihrer Sicht kann in die Psyche nichts hineinkommen außer über die Sinne. Sie sieht die Psyche nicht als eigenständige Informationsquelle, welche über die Sinneswahrnehmung hinausgehende Informationen liefert - ein fundamentaler Irrtum über die Realität!

Die Lösung all der Krisen liegt im Inneren der Psyche, aber sie darf dort nicht gesucht werden, weil das unwissenschaftlich ist!

Weil die Wissenschaft der innerpsychischen Wahrnehmung keine Bedeutung beimisst, wird sie auch nicht entwickelt. Immer mehr Menschen haben überhaupt keinen Zugang mehr zu den Prozessen im Inneren ihrer Psyche und empfinden ihre innerpsychische Wahrnehmung als unangenehm und beängstigend. Normalerweise wendet sich die Aufmerksamkeit automatisch nach innen, sobald ihre äußere Inanspruchnahme nachlässt. Das geschieht zum Beispiel dann, wenn man irgendwo warten muss, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt oder nachts nicht einschlafen kann. Seit es aber Smartphones gibt, wandert die Aufmerksamkeit in solchen Momenten sofort zum Smartphone und wird so lückenlos nach außen fixiert.

Die innerpsychische Wahrnehmung ist der Schlüssel, um die Entstehung des eigenen Verhaltens zu verstehen.

Der rationale Verstand des Menschen stellt die Frage nach der Entstehung des eigenen Verhaltens nicht, weil er sich selbst als den Ursprung des Verhaltens ansieht. Er hat den Anspruch, das Verhaltens möglichst vollständig rational zu steuern bzw. nicht-rational entstandene Verhaltensimpulse nur dann zuzulassen, wenn sie rational sinnvoll erscheinen. Doch der Verstand ist eine sehr junge Entwicklung der Evolution. Seine Entwicklung begann erst vor ungefähr 30.000 bis 60.000 Jahren. Bevor sich der Verstand in der Psyche des Menschen zu entwickeln begann, hatte sich das Leben bereits seit 3,5 bis 4 Milliarden Jahren erfolgreich aufwärts entwickelt - ohne Verstand! Lebewesen hatten also bereits eine funktionierende Verhaltenssteuerung, lange bevor der Verstand anfing, Verhaltensentscheidungen rational zu treffen. Aber weil sich der Mensch durch seinen Verstand scheinbar so viel schneller entwickelt als die anderen Lebewesen, scheint die ursprüngliche Verhaltensentstehung für den Menschen keine Bedeutung mehr zu haben. Aus rationaler Sicht sieht es so aus, als hätte die Rationalität mit ihrer hohen Entwicklungseffizienz, die ursprüngliche Verhaltensentstehung abgelöst.

Der Verstand hat die ursprüngliche Verhaltenssteuerung der Lebewesen im Laufe seiner Entwicklung immer mehr verdrängt und durch Rationalität ersetzt, weil er ihre Bedeutung und Funktion nicht verstanden hat. Dabei blockierte er auch einen wesentlichen Teil der Psyche in seiner Funktion. In religiöser Terminologie ist das der Sündenfall, weil der Mensch dadurch den Kontakt zum wichtigsten Teil der Realität und zu seinem Ursprung verlor. Das ist die Ursache eskalierender globaler Krisen und individueller Probleme, unter anderem einer Vielzahl von bislang unheilbaren Krankheiten.

Die Funktion des Verstandes basiert auf einem rationalen Modell der Realität, welches den Verstand in die Lage versetzt, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und anzuwenden. Eine Gesetzmäßigkeit ist etwas, das unter einer bestimmten Bedingung immer gleich ist. Die Kenntnis einer Gesetzmäßigkeit ermöglicht es dem Verstand, durch Herstellen der Bedingung eine gewünschte Konsequenz gezielt herbeizuführen oder durch Meiden der Bedingung eine unerwünschte Konsequenz zu umgehen. Auf dieser Grundlage steuert der Verstand Verhalten.

Die riesigen Erfolge, die der Verstand mit Wissenschaft und Technologie erzielt hat, haben ihn dazu verleitet anzunehmen, dass ALLE Probleme auf diese Weise gelöst werden können. Der Verstand hat in seiner gegenwärtigen Form zwei grundsätzliche Funktionsdefizite:

  1. Rationale Verhaltensstrategien, die für ein bestimmtes Einsatzgebiet erfolgreich waren, dehnt er weit über den Anwendungsbereich hinaus aus, in dem sie tatsächlich funktionieren.
  2. Um nicht mit der Begrenztheit seiner Arbeitsweise konfrontiert zu werden, beschränkt er sein Modell der Realität auf das, was er rational kontrollieren zu können glaubt und verdrängt, worüber er keine Kontrolle hat.

Die Differenzen zwischen seinem reduzierten Weltbild und der Realität verbirgt der Verstand durch unbewusst, aber geschickt angelegte rationale Tricksereien vor sich selbst. Auf diese Weise erschafft er die Illusion, dass die gesamte Realität rein rational kontrollierbar sei. Die Illusion gibt dem Verstand ein Gefühl von Macht und Kontrolle, so wie es auch echte Erkenntnis tun würde. Alles, was die Illusion ins Wanken bringt, erscheint dem Verstand wie das Gegenteil von Erkenntnis und wird verbissen bekämpft. Im Unterschied zu echter Erkenntnis existiert die Kontrolle real aber gar nicht - wie die zahlreichen eskalierenden Krisen zeigen.

Die Wissenschaft glaubt, dass die Krisen und Probleme gelöst werden könnten, wenn der Mensch ihre Erkenntnisse nur endlich mal richtig umsetzen würde. Dass dies nicht geschieht, liegt aber nicht am Unwillen oder der Unfähigkeit des Menschen, sondern daran, dass das menschliche Verhalten genau wie das aller anderen Lebewesen nicht rational entsteht. Vollständig rationale Verhaltenskontrolle ist eine Illusion!

Der Verstand kontrolliert Verhalten über Gesetzmäßigkeiten. Das Verhalten der den Menschen umgebenden materiellen Welt ist aber nicht vollständig gesetzmäßig. Über den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil hat der Verstand keine Kontrolle. Deshalb betrachtet er ihn als zufällig. Der Begriff des Zufalls suggeriert, dass das, was rational nicht kontrollierbar ist, grundsätzlich überhaupt nicht kontrollierbar sei. Damit handelt es sich nicht mehr um ein rationales Defizit, sondern um ein "naturgegebenes" Phänomen, dem auch auf anderem Wege nicht beizukommen ist. Doch Zufall ist keine Tatsache, sondern Unwissenheit: Aus menschlicher Sicht ist nicht unterscheidbar, ob ein Verhalten tatsächlich zufällig ist oder ob nur die Bedingungen seiner Entstehung nicht erkannt wurden. Genau das meinte Sokrates mit seinem berühmten Satz: "Ich weiß, dass ich nicht weiß." Den Zufall zur Tatsache zu erheben bedeutet, nicht zu wissen, dass man nicht weiß. Wenn Unwissenheit gar nicht als Unwissenheit wahrgenommen wird, dann wird auch nicht nach Erkenntnis gesucht.

Das Verhalten der Lebewesen - und damit auch des Menschen - ist weder gesetzmäßig noch zufällig!

Die Quelle des eigenen Verhaltens in sich selbst zu entdecken und zu verstehen, ist der Schlüssel, um all die Probleme zu lösen, die der Verstand nicht lösen kann.

Indem der Verstand versucht, das Verhalten vollständig rational zu kontrollieren, trennt er es von seiner ursprünglichen Quelle und erschafft dadurch unbewusst zahlreiche Probleme selbst, deren Entstehen ihm zufällig erscheint und die er verbissen bekämpft, ohne ihre Ursache zu erkennen. Dadurch verstärken sich die negativen Auswirkungen der Probleme immer weiter.

Die Darstellung des Zusammenhangs erfordert eine Erweiterung des gegenwärtig vorherrschenden wissenschaftlichen Weltbildes. Da das wissenschaftliche Weltbild aber bereits lückenlos vollständig erscheint, müssen zunächst rationale Illusionen aufgelöst werden.

Die vorliegende Publikation hat deshalb folgenden Aufbau:

  • Rationalität: verstehen, wie der Verstand arbeitet und wie er seine Illusionen aufbaut; Was kann der Verstand und was kann er nicht?
  • Erweiterung des gegenwärtig vorherrschenden wissenschaftlichen Weltbildes und Auflösung rationaler Illusionen
  • Was genau ist eigentlich Leben?
  • die Entstehung des Verhaltens im Inneren der Psyche
  • Wie funktioniert Entwicklung? Weil sich der Mensch scheinbar viel schneller entwickelt als andere Lebewesen, glaubt der Verstand, er hätte Entwicklung erfunden. Entwicklung findet aber bereits seit Milliarden von Jahren statt, und der Verstand hat bisher nicht verstanden, wie genau sie eigentlich funktioniert (obwohl er ein Teil davon ist - allerdings nicht ihr Ursprung).
  • Wie lassen sich die behaupteten Zusammenhänge wissenschaftlich beweisen?
  • Reaktivierung der vom Verstand unterdrückten nicht-rationalen Teile der Psyche
  • Heilung einer Vielzahl von bisher unheilbaren Krankheiten
  • Lösung globaler Krisen
  • Lernen, Kreativität, Entwicklung körperlicher Fähigkeiten
  • Richtigstellung der Evolutionstheorie
  • Sucht, Depression, ADHS, Übergewicht
  • übertriebene Ängste als Folge eines unvollständigen rationalen Weltbildes
nächstes Kapitel: Rationalität