Warum Wissenschaft die wach­sen­den Krisen nicht lösen kann

Das Ich und die Welt

Wie entsteht das Verhalten der Lebewesen?

Da der Mensch selbst ein Lebewesen ist, müsste er diese Frage eigentlich beantworten können. Allerdings hat der Mensch durch die Entwicklung des rationalen Verstandes keinen Zugang mehr zur ursprünglichen Entstehung seines Verhaltens. Er sieht sich als einen vom Verstand gesteuerten Körper. Diese Illusion gilt es jetzt aufzulösen.

Die Quelle des menschlichen Verhaltens ist das Ich. Das Ich setzt Verstand und Körper in Bewegung. Deshalb ist es Energie. Das Ich ist ein Element der Energieform Bewusstsein.

Das Ich ist das, was wahrnimmt. Es interagiert mit dem, was es wahrnimmt:

  • Es wird verändert durch das, was es wahrnimmt
  • und es verändert das, was es wahrnimmt.

Das Ich nimmt “die Welt” wahr. Im Folgenden geht es um die Interaktion zwischen Ich und Welt - zwischen dem, was wahrnimmt und dem, was wahrgenommen wird:

Ich_Welt_Interaktion

In diesem Modell sind der Verstand und der Körper Teil “der Welt”. Das Ich ist nur das Ich - kein Körper, kein Verstand - nur Ich und Wahrnehmung.

Um die Interaktion zwischen Ich und Welt in sich selbst zu erkennen, muss man sich als interagierende Energie (wahrnehmendes Ich) begreifen. Die entscheidende Information dazu aus dem Kapitel über Energie ist:

Es gibt keine Veränderung ohne Potential!

Wenn die Welt verändernd auf das Ich einwirkt, dann erzeugt sie ein Potential, dem das Verhalten des Ich folgt. Ein Potential bedeutet, von etwas angezogen zu werden. Diese Anziehung können wir wahrnehmen. Wir können zwar nicht das Ich als solches wahrnehmen, aber wir können eine Anziehungskraft wahrnehmen, die auf uns selbst (und damit das Ich) wirkt.

Das Ich ist das, was wahrnimmt. Wenn etwas anziehend auf das Ich wirkt, dann zieht es die Wahrnehmung des Ich an. Das Ich kann seine Wahrnehmung lenken wie einen Scheinwerfer, der über eine Landschaft streift und es lenkt seine Wahrnehmung auf das, wovon es angezogen wird. Das ist das Potential, welches “die Welt” auf “das Ich” ausübt und dem das Verhalten des Ich folgt:

Das Ich folgt mit seiner Wahrnehmung dem Potential, das von der Welt ausgeht.

Wenn das Ich mit seiner Wahrnehmung auf etwas verweilt, von dem es sich angezogen fühlt, dann spricht man auch von “Aufmerksamkeit schenken”. Das Ich fühlt sich von bestimmten Wahrnehmungen angezogen und schenkt diesen Wahrnehmungen dann seine Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit ist der Fokus der Wahrnehmung, der sich etwas zuwendet, das eine Anziehungskraft (Potential) auf das Ich ausübt.

Teilweise kann das Ich aus mehreren anziehend wirkenden Wahrnehmungen wählen, welcher Sache es Aufmerksamkeit schenkt. Manche Wahrnehmungen ziehen jedoch so vehement die Aufmerksamkeit auf sich, dass sich das Ich ihnen zwangsläufig zuwenden muss.

Wahrnehmung ist nicht nur Sinneswahrnehmung, sondern auch innerpsychische Wahrnehmung. Wenn das Ich über seine Sinne die materielle Welt wahrnimmt, dann löst das psychische Prozesse aus, welche assoziativ zur Sinneswahrnehmung innerpsychische Wahrnehmungen (z.B. Vorstellungen) hervorbringen. Eine Art von innerpsychischer Wahrnehmung spielt bei der Entstehung von Potential eine ganz besondere Rolle: die Zukunftsprojektionen. Das Bewusstsein projiziert permanent die Wahrnehmung der Gegenwart in die Zukunft. Auf diese Weise erzeugt es in seiner Vorstellung mögliche Versionen zukünftiger Entwicklungen, um sie auf Übereinstimmung mit seinen Zielen und Bedürfnissen hin zu bewerten. “Zukunft” kann in diesem Zusammenhang die ganze Bandbreite von Sekunden bis zu Jahrzehnten sein. Einige Zukunftsprojektionen üben eine besonders große Anziehungskraft auf das Ich aus und werden zu Absichten.

Absichten sind Zustände, von denen das Bewusstsein angezogen wird und denen es deshalb seine Aufmerksamkeit schenkt. Sie entstehen durch die Fähigkeit des Bewusstseins, aus der Sinneswahrnehmung der Gegenwart Vorstellungen möglicher zukünftiger Entwicklungen zu erzeugen.

Das ist die Wirkung, welche die Welt auf das Verhalten des Ich ausübt: Das Ich fühlt sich von bestimmten Sinneswahrnehmungen und den daraus entstehenden innerpsychischen Zukunftsprojektionen angezogen und schenkt diesen Wahrnehmungen dann seine Aufmerksamkeit. Das ist allerdings nicht, was man mit “dem Verhalten eines Lebewesens” assoziieren würde. Wenn man vom Verhalten eines Lebewesens spricht, dann meint man sein körperliches Verhalten. Die Entstehung des körperlichen Verhaltens gehört zum zweiten Teil der Interaktion - dem Einfluss, den das Ich auf die Welt ausübt:

Das Ich setzt (unter anderem) den eigenen Körper in Bewegung. Aber wie genau macht es das? Stellen wir uns einmal vor, es schleicht sich ein Hungergefühl in die Wahrnehmung. Das Bewusstsein projiziert die Wahrnehmung in die Zukunft, indem es den Körper genüsslich seinen Hunger stillen sieht und schon ist der Körper auf dem Weg in die Küche. Das Ich richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas, von dem es sich angezogen fühlt und das gibt dem Körper den Impuls, sich in Bewegung zu setzen.

Nun ist das ein Vorgang, der sowieso vollkommen selbstverständlich abläuft, ohne dass darüber nachgedacht werden muss. Damit müsste man sich eigentlich nicht beschäftigen. Aber es ist eben auch ein Beispiel für einen Zusammenhang, der in einem viel größeren Umfang gültig ist und der nicht nur das ganze Leben des Menschen durchzieht, sondern der die menschliche Existenz überhaupt erst ermöglicht und hervorgebracht hat. Was das Ich mit dem Körper macht, tut es mit jeder Form von Energie!

Bewusstsein lenkt Energie in Richtung dessen, was im Fokus seiner Aufmerksamkeit ist. Es erzeugt für andere Energie-Elemente ein Potential, das sie in Richtung seiner Aufmerksamkeit zieht.

Aufmerksamkeit_lenkt_Verhalten

Das ist die Grundlage des selbst-getriebenen Verhaltens der Lebewesen und ihrer Fähigkeit, Absichten zu verfolgen. Die Aufmerksamkeit des Bewusstseins ist pure verändernde Energie. Deshalb heißt es “Aufmerksamkeit schenken”, deshalb werden im Internet Follower und Likes gesammelt und deshalb versuchen Menschen unbewusst, möglichst viel Aufmerksamkeit von anderen Menschen zu bekommen.

Aufmerksamkeit ist die primäre Energie des Menschen. Alles, das Menschen tun, geht in irgendeiner Form auf den Einsatz von Aufmerksamkeit zurück. Unter anderem lenkt Aufmerksamkeit, wie die Energie aus der Nahrung in körperliche Aktivität umgesetzt wird.

Der Prozess der Verhaltensentstehung umfasst 3 Phasen:

  1. Wahrnehmung: Das Ich schenkt einer Wahrnehmung Aufmerksamkeit, von der es sich angezogen fühlt. Das wird auch als Konzentration bezeichnet. Konzentration ist eine ganz natürliche Fähigkeit - auch schon bei Kindern. Wenn Konzentration schwierig erscheint, liegt das daran, dass das Verhalten rationalen Entscheidungen folgt und nicht seinem natürlichen Potential. (Oberflächlich betrachtet wirkt es so, als würden wir nur noch Fernsehen, Computerspiele spielen, Süßigkeiten essen oder am Handy hängen, wenn wir unserem natürlichen Potential folgen würden, aber das ist bereits eine verzerrte Form des Potentials, weil das Verhalten schon lange vorher vom ursprünglichen Potential getrennt wurde.)
  2. Psyche: Die Psyche hat die Aufgabe, eine körperliche Interaktion zu ermitteln durch welche der angestrebte Zustand erreicht werden kann. Diese Phase kann ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein, je nachdem, ob die entsprechende körperliche Interaktion sofort auf der Hand liegt oder erst aufwendig ermittelt werden muss.
    Wenn nicht sofort klar ist, wie eine Absicht verwirklicht werden kann, braucht es Kreativität - eine weitere ganz natürliche Fähigkeit der Psyche: Aufmerksamkeit aktiviert einen spontanen Strom an Ideen zum Erreichen der angestrebten Absicht. Zu dieser Phase gehört auch die Mitwirkung des rationalen Verstandes - als Teil des kreativen Prozesses. Da der Verstand den Zusammenhang aber nicht kennt, beginnt er immer dann, wenn Kreativität in Form von neuen Ideen gebraucht wird, angestrengt nachzudenken. Damit überlagert hektische rationale Aktivität die Wahrnehmung eines der machtvollsten Mechanismen der Psyche. Dabei ist der Zugang ganz einfach: Anstatt in hektische rationale Aktivität zu verfallen, einfach nur entspannt die Aufmerksamkeit auf ein Vorhaben ausrichten und wahrnehmen, wie die Psyche spontane Eingebungen, Ideen und Handlungsimpulse hervorbringt. Das Problem dabei ist, dass der Verstand in der Regel schon vorher einen genauen Plan hat, den er auf Biegen und Brechen umsetzen will und die spontanen Eingebungen der Kreativität passen oft nicht in diesen Plan.
  3. Körper: Sobald die Psyche eine körperliche Interaktion zum Erreichen der Absicht ermittelt hat, spürt man das Potential auf körperlicher Ebene und der Körper setzt sich in Bewegung. Bei manchen Absichten ist die körperliche Interaktion sofort klar und deshalb scheint die zweite Phase psychischer Aktivität zu entfallen, wie bei dem eingangs erwähnten Beispiel “Hunger stillen”.

Rationale Verhaltensentscheidungen sind oft nicht so einfach in die Tat umzusetzen. Man denke nur an “gute Vorsätze”. Nicht selten muss man sich dazu überwinden oder regelrecht “zwingen”. Das liegt dann daran, dass der Verstand rationale Verhaltensentscheidungen trifft, ohne sich darum zu kümmern, ob überhaupt ein entsprechendes Potential existiert. Aber jeder Mensch hat in seinem Leben auch schon das komplette Gegenteil davon erlebt:

  • wenn etwas ganz leicht, mühelos und wie von selbst geht
  • wenn man sich gar nicht bremsen kann
  • wenn man ohne jede Anstrengung voll konzentriert ist
  • wenn Ideen und kreative Einfälle nur so sprudeln
  • wenn man voller Energie und Tatendrang ans Werk geht
  • wenn alles genau so funktioniert, wie es das soll

So läuft es, wenn die Aufmerksamkeit des Bewusstseins ihrem natürlichen Potential folgt und auf dieser Grundlage Verhalten initiiert und lenkt.

Bis hierher klingt das vielleicht noch recht unspektakulär und es erschließt sich auch nicht so richtig, warum das alles so wichtig sein soll. Das liegt daran, dass es bisher nur um die Entstehung des Verhaltens ging. Der extrem viel interessantere und vom Verstand zutiefst gefürchtete Teil ist die Rolle des Bewusstseins für Entwicklung/Entwicklung (denn der Verstand hält sich ja selbst für den Meister von Entwicklung). Entwicklung basiert auf einer spezifischen Ausprägung der Interaktion zwischen dem Ich (das Wahrnehmende) und der Welt (dem Wahrgenommenen), nämlich der Interaktion des Bewusstseins mit der Materie:

Bewusstsein_Materie_Interaktion

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