Negative Zukunftsprojektionen

Im wissenschaftlichen Weltbild ist das Verhalten der den Menschen umgebenden materiellen Welt eine Mischung aus Gesetzmäßigkeiten und Zufall. Ein solches System könnte aber niemals dauerhaft existieren. Es würde langsam zerfallen. Der zufällige Verhaltensanteil würde immer wieder negative Entwicklungen hervorbringen, die das System nach und nach zerstören.

Auf unbewusster Ebene ist das dem Verstand durchaus klar. Deshalb bringt er immer wieder negative Zukunftsprojektionen hervor, die aber keine reale Grundlage haben: Das Verhalten des den Menschen umgebenden Systems kann nicht ausschließlich gesetzmäßig und zufällig sein, weil das System dann gar nicht erst hätte entstehen können. Entwicklung ist auf der Grundlage von ausschließlich Gesetzmäßigkeiten und Zufall nicht möglich.

Das ist einer jener Widersprüche im rationalen Weltbild, die der Verstand einfach ausblendet:

  • Einerseits bildet er sich mit der Evolutionstheorie ein, ein auf Zufall basierendes System könne sich über Milliarden Jahre hinweg aufwärts entwickeln,
  • andererseits bringt er permanent unbewusst negative Zukunftsprojektion hervor, weil ihm intuitiv klar ist, dass Zufall zu negativen Entwicklungen führen würde.

Der Verstand produziert Projektionen fiktiver negativer Entwicklungen, die ihm selbst aber sehr real erscheinen. Deshalb beginnt er, dagegen vorzugehen. Er wird aktiv, um die angenommene negative Entwicklung zu verhindern. Wo Verhalten ist, gibt es ein Potential, welches das Verhalten antreibt. In diesem Fall ist es ein negatives Potenzial, welches aus einer negativen Zukunftsprojektion entsteht. Das heißt, die Aufmerksamkeit fixiert sich auf die Vorstellung der negativen Entwicklung und treibt so das körperliche Verhalten an, das die negative Entwicklung zu verhindern versucht. Gleichzeitig lenkt die so fixierte Aufmerksamkeit aber auch den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie in Richtung der negativen Projektion. Da sich dieser Vorgang stetig wiederholt, wird aus dem nicht-gesetzmäßigen Verhalten der Materie immer mehr ein gesetzmäßiges Verhalten. Was zunächst nur eine rein fiktive negative Zukunftsprojektion war, wird durch den Aktionismus des Verstandes zu einer tatsächlichen negativen materiellen Entwicklung.

Wenn die ersten Anzeichen der negativen materiellen Entwicklung sichtbar werden, bestätigt das die negativen Annahmen des Verstandes und der Verstand verstärkt seine Anstrengungen, der negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Das wiederum beschleunigt die negative Entwicklung immer weiter. Es entsteht eine sich selbst verstärkende Spirale negativer Entwicklung:

  1. Eine fiktive negative Zukunftsprojektion führt zu Aktionismus.
  2. Der Aktionismus bringt eine negative materielle Entwicklung hervor.
  3. Die ersten Anzeichen der negativen materiellen Entwicklung scheinen die ursprünglichen falschen Annahmen zu bestätigen und verstärken den Aktionismus.
  4. Das wiederum beschleunigt die negative materielle Entwicklung noch weiter.

Der Mechanismus dahinter ist eigentlich die Grundlage jeglicher Form von positiver Entwicklung: Das Bewusstsein fühlt sich von bestimmten als erstrebenswert empfundenen Zukunftsprojektion angezogen und wird aktiv, um diese Vorstellungen zu verwirklichen.

Nun aber bringt das falsche Weltbild des rationalen Verstandes negative Vorstellungen hervor, die den gleichen Mechanismus in Gang setzen, der dann allerdings zu negativen Entwicklungen führt.

Dem Verstand erscheint die reale Entstehung der negativen Entwicklungen zufällig. Er sieht nicht den Zusammenhang zu seinem eigenen Verhalten.

Auch wenn es dem Verstand mit großer Überzeugungskraft so erscheint: Es gibt keine zufälligen, vom Bewusstsein unabhängigen negativen materiellen Entwicklungen. Materie ist ein Produkt des Bewusstseins und folgt in ihrem Verhalten der Aufmerksamkeit des Bewusstseins.

Zusammen mit den Ausführungen des letzten Kapitels lassen sich deshalb zwei Formen von rationalem Aktionismus unterscheiden:

  1. Das Bemühen um die Lösung eines realen Problems, dessen tatsächliche Ursache aber nicht bekannt ist.
  2. Das Bemühen, eine negative Entwicklung zu verhindern, die aber rein fiktiv aus einer falschen Weltsicht heraus entstanden ist.

In beiden Fällen führt der Aktionismus zu negativen Entwicklungen:

  1. Im ersten Fall verstärkt der Aktionismus die sowieso schon vorhandenen negativen Auswirkungen des realen Problems.
  2. Im zweiten Fall bringt der Aktionismus eine negative Entwicklung hervor, die es ansonsten gar nicht gäbe.

Diese Unterscheidung ist insofern relevant, weil im zweiten Fall die Lösung einfach nur darin besteht, den Aktionismus einzustellen. Und sobald der Aktionismus eingestellt ist, beginnt sich das Problem aufzulösen. Ein Problem, das gerade noch unglaublich real erschien, löst sich einfach so auf, ohne dass noch irgend etwas Weiteres zu seiner Lösung unternommen werden müsste. Im religiösen Kontext bezeichnet man das auch als Erlösung.

nächstes Kapitel: Rationale Verhaltensentscheidungen