Sündenfall

Das Verhalten von Materie ist teilweise gesetzmäßig und teilweise nicht-gesetzmäßig. Der Verstand kontrolliert nur den gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie. Den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil sieht er als zufällig an.

Bewusstsein lenkt den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie in Richtung seiner Aufmerksamkeit und lässt daraus durch Wiederholung gesetzmäßiges Verhalten entstehen. Das heißt, es strebt mit dem Verhalten über die bestehenden Gesetzmäßigkeiten hinaus, weil nur so Entwicklung überhaupt möglich ist.

Der Verstand weiß von der Wirkung des Bewusstseins auf Materie nichts. Aus seiner Sicht ist Verhalten mit nicht-gesetzmäßigen Verhaltenseilen nicht erfolgversprechend und erscheint unvernünftig. Deshalb blockiert der Verstand das Streben des Bewusstseins.

Wenn sich das Bewusstsein von einem Zustand seiner Vorstellungswelt angezogen fühlt, dann erstellt der Verstand auf der Grundlage seines rationalen Modells der Realität eine eigene Zukunftsprojektion dazu. Falls der angestrebte Zustand durch gesetzmäßiges Verhalten nicht erreichbar ist, fällt die rationale Zukunftsprojektion negativ aus. Sie zeigt, wie der Versuch, den Zustand zu erreichen, scheitern wird. Und tatsächlich kann das ja auch passieren. Die Wirkung des Bewusstseins hat 2 Aspekte:

  1. Bewusstsein lenkt den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie in Richtung der anvisierten Vorstellung, aber insbesondere am Anfang einer Entwicklung nicht vollständig. Es verändert Wahrscheinlichkeiten in Richtung seiner Aufmerksamkeit, aber nicht auf 100%. Das bedeutet einerseits, dass sich die materielle Umgebung von vornherein viel erfolgversprechender in Bezug auf Vorhaben verhält, als der Verstand es sich aus seiner vom Zufall geprägten Sicht heraus vorstellen kann. Es bedeutet aber andererseits auch, dass insbesondere am Anfang einer Entwicklung Fehlversuche und Scheitern möglich sind - als ein ganz natürlicher Teil von Entwicklung.
  2. Erst durch Wiederholung verschiebt sich die Wahrscheinlichkeit, dass der angestrebte Zustand erreicht wird, in Richtung 100%.

Weil der Verstand von beidem nichts weiß, hält er seine viel zu pessimistischen, negativen Zukunftsprojektionen vom Scheitern eines angestrebten Vorhabens für einen statischen, unveränderlichen Zustand. Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen:

  • Die Aufmerksamkeit wird vom eigentlich angestrebten Zustand auf die negative Zukunftsprojektion des Verstandes umgelenkt.
  • Der Verstand trifft die Entscheidung, die vom Bewusstsein angestrebte Absicht nicht in die Tat umzusetzen.

So trennt der Verstand das Verhalten von seiner ursprünglichen Quelle.

Der Verstand hat im Laufe seiner Entwicklung einen immer größeren Einfluss auf das Verhalten erlangt. Sein Anspruch ist sowieso, das Verhalten vollständig rational zu kontrollieren. Er hält sich ja selbst für die Vernunft und sieht dementsprechend alle anderen Verhaltenseinflüsse als unvernünftig an. Aber am Anfang seiner Entwicklung dominierte zunächst noch die ursprüngliche Verhaltenssteuerung. Der Verstand hat sich seinen Einfluss auf das Verhalten hart erkämpfen müssen. Doch nun ist sein Einfluss in der Psyche so dominant, dass er die Wirkung des Potentials, das auf die Aufmerksamkeit wirkt, mühelos unterdrücken und durch rationales Verhalten ersetzen kann. Das setzt eine Reihe von negativen Entwicklungen in Gang:

Die ursprüngliche Quelle des Verhaltens ist die Anziehungskraft, welche bestimmte Zukunftsprojektionen - die Absichten - auf das Bewusstsein ausüben. Diese Anziehungskraft ist im energetischen Sinne ein Potential. Dem Potential zu folgen bedeutet für das Bewusstsein Erfüllung. Das Bewusstsein strebt nach der Erfüllung seiner Absichten.

Ich bezeichne dieses Potential als natürliches Potential in Abgrenzung zu dem vom Verstand künstlich erzeugten rationalen Potential. Umgangssprachlich wird das natürliche Potential auch bezeichnet als

  • seinem Herzen oder der inneren Stimme folgen
  • seine Träume verwirklichen

Erfüllung ist das zentralste und wichtigste von der Psyche angestrebte Ziel. Es ist die grundlegende Aufgabe der Psyche, ein Verhalten hervorzubringen, das die Erfüllung des natürlichen Potentials bewirkt!

Die Erfüllung des natürlichen Potentials ist die wichtigste Grundbedingung eines gesunden psychischen Gleichgewichts.

Das Bewusstsein ist eine Energie, die nach Erfüllung strebt. Jede Energie tut das. Energie folgt dem Drang nach Erfüllung ihres Potentials irgendwie und immer ungeachtet aller Hindernisse und Blockaden. Wenn der Verstand die Erfüllung des natürlichen Potentials verhindert, sucht sich die Energie andere Wege. Dabei gerät das "System Mensch" auf vielfache Weise aus dem Gleichgewicht. Die Folge sind Sucht, Depression, Übergewicht und ADHS:

  • Depression ist weder eine psychische Fehlfunktion noch eine Krankheit, sondern eine ganz natürliche emotionale Reaktion auf die Nicht-Erfüllung des natürlichen Potentials.
  • ADHS ist ein unkontrolliertes Ausbrechen von nicht eingesetzter Bewusstseinsenergie, wie wenn Dampf aus einem Kessel mit Überdruck durch einen Riss entweicht. (Gleiches gilt auch für manisches Verhalten und Amokläufe.)
  • Die Psyche sucht sich leicht erreichbare körperliche und geistige Freuden als Ersatzbefriedigung für das unerfüllte natürliche Potential. So entsteht Sucht. Sucht verschafft der Psyche einen "Ersatzkick" anstelle der echten Erfüllung. Wie jedes wiederholte Verhalten automatisiert sich auch Sucht und rutscht damit aus der Wahrnehmung heraus, weil die Materie dem Bewusstsein das Verhalten abnimmt. Der angestrebte Kick wird deshalb mit der Zeit schwächer wahrgenommen und muss, um das gleiche Maß an Ersatzerfüllung aufrechtzuerhalten, regelmäßig weiter erhöht werden. Darum läuft Sucht als Verhalten immer aus dem Ruder. Bei natürlicher Entwicklung werden mit dem Verhalten immer neue Zustände erreicht, bei Sucht hingegen braucht es stattdessen einen immer stärkeren Ersatzkick.
  • Essen ist eine natürliche und notwendige Körperfunktion, aber gleichzeitig eine jederzeit leicht erreichbare körperliche Freude. Essen ist das Suchtmittel Nummer 1. Sucht führt zu Übertreibung. So entsteht Übergewicht.

Die rationale Sicht betrachtet den menschlichen Körper als ein fehleranfälliges System, das einfach so rein zufällig lauter Fehlfunktionen hervorbringt, welche die Medizin dann reparieren muss. Tatsächlich ist der menschliche Körper ein selbst-regenerierendes System mit einer Zuverlässigkeit, die über das Vorstellungsvermögen des Verstandes unendlich weit hinausgeht. Die rationale Verhaltenskontrolle durch den Verstand gepaart mit einer unvollständigen Realitätswahrnehmung führen dazu, dass der Körper als System gewaltsam aus seinem Gleichgewicht gebracht wird. Anstatt aber die tatsächlichen Ursachen zu sehen, werden die Probleme mit Medikamenten und Therapien in andere Bereiche verschoben:

  • Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Depression und ADHS
  • eine "geheilte" Sucht, die unbemerkt durch eine neue Sucht ersetzt wird
  • eine "geheilte" Sucht, die von Depressionen abgelöst wird, weil Ersatzbefriedigung wegfällt, ohne dass echte Erfüllung an ihre Stelle tritt, z.B. Depression statt Kaffee trinken - oder umgekehrt (Kaffee "heilt" scheinbar Depression).
  • ADHS "transformiert" sich zu Sucht und/oder Depression

Aufputschmittel wie Koffein in Kaffee, Tee oder Schokolade spielen bei der Ersetzung des natürlichen Potentials durch rationales Potential eine zentrale Rolle, weil sie die Psyche in einen ähnlichen Zustand versetzen, wie es die Erfüllung des natürlichen Potentials tun würde.

Die Abkopplung des Verhaltens von seinem natürlichen Potential führt zu negativen evolutionären Entwicklungen. Die Mechanismen der Evolution können sich sowohl positiv als auch negativ auswirken:

Aus der Unerfülltheit des natürlichen Potentials entstehen Sucht, Depression und ADHS. Es handelt sich dabei um Verhalten, welches erst die Psyche und dann auch den Körper verändert. (Jedes wiederholte Verhalten wird gesetzmäßig, indem sich entsprechende materielle Strukturen herausbilden.) Wenn diese Veränderungen ein gewisses Ausmaß erreichen, werden sie genetisch verankert und an die Folgegeneration weitervererbt. Aus Sicht der Wissenschaft erscheint es dann so, als seien Sucht, Depression und ADHS genetisch bedingt bzw. als sei eine zufällige genetische Fehlbildung die "Ursache". Tatsächlich ist die Ursache aber ein Mangel an Erfüllung und die genetische Fehlbildung ist eine Folge davon.

Und es gibt noch eine weitere negative Entwicklung: Wenn der Verstand das natürliche auf das Bewusstsein wirkende Potential blockiert, verschwindet dieses Potential ja deswegen nicht gleich. Es bleibt noch eine ganze Weile bestehen und macht sich immer wieder bemerkbar, indem es die Aufmerksamkeit auf die als attraktiv empfundene Vorstellung zieht. Und jedes Mal, wenn das passiert, erstellt der Verstand erneut seine negative Zukunftsprojektion und lenkt die Aufmerksamkeit wieder von der positiven Absicht auf seine negative Vorstellung vom Scheitern um. Dadurch wird die Energie der Aufmerksamkeit von der positiven Absicht auf die negative rationale Vorstellung vom Scheitern umgelenkt. In der Folge wird "das Scheitern" zu einem gesetzmäßigen Verhalten. Die materiellen Hürden für das ursprüngliche Vorhaben wachsen. Das bedeutet, wenn ein Mensch sich später irgendwann doch entscheidet, "seinem Herzen zu folgen" und "seine Träume zu verwirklichen", dann muss er dafür zwei zusätzliche Hürden überwinden:

  1. Das eigene Verhalten tendiert sehr viel stärker dazu, in Sucht oder Depression abzugleiten.
  2. Die materiellen Hürden, die zur Verwirklichung des Vorhabens überwunden werden müssen, sind höher als ursprünglich.

Und dennoch ist das der einzige Weg zu einem wahrhaft erfüllten Leben!

nächstes Kapitel: Aktionismus