Bewusstsein und Körper

Der Körper ist der Teil der Materie, der am nächsten am Bewusstsein dran ist. Deshalb ist es auch der Teil der Materie, bei dem sich die Wirkung des Bewusstseins auf Materie am deutlichsten zeigt. Wir sind selbst "das Ich" (Bewusstsein) und wissen deshalb über die innerpsychische Wahrnehmung, was "das Ich" tut. Von diesen Beobachtungen aus lässt sich ein Zusammenhang zu Veränderungen des eigenen Körpers herstellen.

Das Verhalten von Materie hat 3 Komponenten:

  1. gesetzmäßiger Verhaltensanteil
  2. nicht-gesetzmäßiger Verhaltensanteil (scheinbar zufälliges Verhalten)
  3. Veränderung von Gesetzmäßigkeiten (scheinbar zufällige Entwicklung)

Die rationale Vorstellung von Gesetzmäßigkeiten leitet sich vor allem aus den Naturgesetzen ab. Doch die Naturgesetze bilden einen ganz besonderen Spezialfall. Sie verändern sich nicht und der nicht gesetzmäßige Verhaltensanteil ist so winzig klein, dass er für die meisten praktischen Anwendungen keine Rolle spielt. Sie ermöglichen dem Verstand eine nahezu vollständige Kontrolle über das elementare Verhalten von Materie.

Der menschliche Körper hingegen ist ein super-komplexes System:

  • Er hat einen signifikanten nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil
  • und seine Gesetzmäßigkeiten verändern sich.

Der Verstand kontrolliert nur den gesetzmäßigen Verhaltensanteil. Die anderen beiden Verhaltensanteile hält er für Zufall, doch tatsächlich werden sie vom Bewusstsein gelenkt.

Eigentlich wird auch der gesetzmäßige Verhaltensanteil vom Bewusstsein gelenkt, indem es den Verstand einsetzt. Das entspricht nur nicht dem Selbstverständnis des Verstandes, woraus dann die ganze menschliche Misere erwächst.

Im Folgenden geht es darum, wie das Bewusstsein den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil beeinflusst und dadurch Gesetzmäßigkeiten verändert. Dafür braucht es zunächst noch ein paar begriffliche Präzisierungen und eine erweiterte Perspektive auf Gesetzmäßigkeiten:

Eine Gesetzmäßigkeit verbindet eine Bedingung mit einer Konsequenz:

Gesetzmäßigkeit: Bedingung ⇒ Konsequenz

Wann immer die Bedingung gegeben ist, tritt die Konsequenz ein. Gleichzeitig gilt aber auch: JEDES gesetzmäßige Verhalten hat auch einen nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil. Um zu verstehen, wo in einer Gesetzmäßigkeit der nicht-gesetzmäßige Verhaltensanteil steckt, stellen wir uns einfach vor, dass die Konsequenz aus mehreren möglichen Verhaltensalternativen besteht:

Gesetzmäßigkeit: Bedingung ⇒ Verhalten 1 oder Verhalten 2 oder ...

Aber wo bleibt da die Gesetzmäßigkeit? Ist es nicht "reiner Zufall", wenn aus einer Bedingung mehrere Verhaltensalternativen hervorgehen?

Es handelt sich nicht um vollkommen beliebige Verhaltensalternativen, sondern die Bedingung schränkt die Menge der möglichen Verhaltensalternativen ein und es lässt sich theoretisch für jede Verhaltensalternative eine individuelle Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens angeben. Das ist der gesetzmäßige Verhaltensanteil. Im einfachsten Fall bestehen die Alternativen einfach aus:

  • Ein Ereignis tritt ein mit einer Wahrscheinlichkeit von z.B. 60%.
  • Das Ereignis tritt nicht ein mit einer Wahrscheinlichkeit von z.B. 40%.

Es kann sich natürlich auch um mehr als zwei Verhaltensalternativen handeln. Ein anderes Schema nicht-gesetzmäßigen Verhaltens wäre, wenn die Bedingung zu einer Streuung über mehrere zueinander ähnliche Verhaltensvarianten führt. Zum Beispiel wenn man auf eine Zielscheibe schießt, geht der Schuss in der Regel schon grob in Richtung der Zielscheibe. Er geht nicht in irgendeine beliebige Richtung. Er trifft nur meistens nicht genau "ins Schwarze".

Die Summe der Wahrscheinlichkeiten aller möglichen Verhaltensalternativen ist auf jeden Fall 100% oder auch eins: Eine der Alternativen tritt auf jeden Fall ein. Allerdings bedeutet in der Regel nur eine Teilmenge der möglichen Verhaltensalternativen, dass das Ziel erreicht wird, welches mit der Anwendung der Gesetzmäßigkeit angestrebt wird. Mit anderen Worten: Bei einer Gesetzmäßigkeit mit einem signifikanten nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil ist die Wahrscheinlichkeit, dass das mit der Anwendung der Gesetzmäßigkeit verfolgte Ziel tatsächlich erreicht wird, kleiner als 100 Prozent. Nochmal zusammengefasst:

  1. Durch den gesetzmäßigen Verhaltensanteil geht aus einer Bedingung eine begrenzte Menge von möglichen Verhaltensalternativen hervor. Theoretisch lässt sich zu jeder Verhaltensalternative eine Wahrscheinlichkeit angeben.
  2. Der nicht-gesetzmäßige Verhaltensanteil besteht darin, dass es mehrere Verhaltensalternativen gibt.

Es gibt IMMER mehrere Verhaltensalternativen. Allerdings kann es sein, dass eine der Verhaltensalternativen mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eintritt und alle anderen mit einer sehr kleinen. Dann spricht man insgesamt von einem gesetzmäßigen Verhalten, weil nahezu immer die gleiche Verhaltensalternative eintritt. In diesem Fall lässt sich praktisch vernachlässigen, dass es theoretisch noch andere Verhaltensalternativen gibt. Das ist zum Beispiel bei den Naturgesetzen der Fall. Wenn es mehrere Verhaltensalternativen mit signifikant hohen Wahrscheinlichkeiten gibt, dann spricht man insgesamt von einem nicht-gesetzmäßigen Verhalten, weil sich aus der Bedingung kein eindeutig überwiegendes Verhalten ergibt.

Nochmal kurz zusammengefasst: JEDES Verhalten hat sowohl einen nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil als auch einen gesetzmäßigen Verhaltensanteil.

  • Wenn eine der möglichen Verhaltensalternativen klar dominiert, dann spricht man insgesamt von einem (eher) gesetzmäßigen Verhalten.
  • Wenn mehrere Verhaltensalternativen mit einer ähnlich großen Wahrscheinlichkeit eintreten, dann spricht man insgesamt von einem (eher) nicht-gesetzmäßigen Verhalten.

Gesetzmäßigkeiten sind einfach hohe Wahrscheinlichkeiten, die unter bestimmten Bedingungen auftreten.

Der Körper ist ein super-komplexes System. So schön gesetzmäßig wie bei den Naturgesetzen, geht es im Körper also auf keinen Fall zu. (Auch wenn die Naturgesetze den Gesetzmäßigkeiten des Körpers schon irgendwo zugrunde liegen. Der Körper basiert ja auf einzelnen Materieelementen, die sich entsprechend den Naturgesetzen verhalten. Es sind nur eben sehr sehr viele.) Es gibt jedoch noch ein anderes Problem: Bei den Naturgesetzen können wir über die Bedingungen das Verhalten mit Hilfe mathematischer Formeln ganz genau vorausberechnen. Den eigenen Körper bedienen wir aber nicht mit dem Taschenrechner. Wo sind dann die Bedingungen? Und wenn es keine Bedingungen gibt, wo ist dann das gesetzmäßige Verhalten?

Das Verhalten des Körpers unterteilt sich in

  1. das gesetzmäßige "automatische" Verhalten des Körpers, z.B. Verdauung, Stoffwechsel, Atmung, Herzschlag
  2. das psychisch gesteuerte "eigene" Verhalten. Dazu gehört zum Beispiel, irgendwo hinzugehen, etwas zu sagen, Sport zu machen oder eine Arbeit zu erledigen.

Für BEIDE Teile dürfte es schwer sein, Bedingungen anzugeben. Und dennoch gibt es bei beiden Teilen gesetzmäßiges Verhalten. Das "automatische Verhalten" des Körpers ist auf jeden Fall gesetzmäßig, weil es ununterbrochen zuverlässig seinen Zweck erfüllt. Aber wir müssen die Bedingungen dafür nicht erfüllen. Es funktioniert einfach. Es funktioniert schon bei einem Baby, das ja auch nicht erst lernen muss, sein Herz schlagen zu lassen. Das Herz schlägt einfach. Gut, wir müssen darauf achten, dass der Körper nicht durch Unfälle oder die Zufuhr unverträglicher Substanzen geschädigt wird. Aber das wars auch schon. Für diesen Teil des Verhaltens wird es sich noch als Nachteil erweisen, dass es in der gesetzmäßigen Interpretation der Welt durch den Verstand so etwas eigentlich nicht gibt: Dass etwas einfach so funktioniert, ohne dass wir etwas dafür tun müssen. Das ist aber an dieser Stelle nicht das Thema. In diesem Kapitel geht es um den zweiten Teil des körperlichen Verhaltens: das psychisch gesteuerte Verhalten.

Wie steuern wir eigentlich unseren Körper? Der Verstand glaubt, er steuert den Körper, aber wie genau tut er das? Okay, der Verstand kann vielleicht entscheiden, dass der Arm gehoben werden soll. Aber wie genau "macht er", dass der Arm sich dann auch tatsächlich hebt?

Das Bewusstsein steuert den Körper unmittelbar über seine Aufmerksamkeit. Es richtet die Aufmerksamkeit auf das, was passieren soll (Bedingung) und der Körper folgt dem (Konsequenz).

Der Verstand benutzt diesen Mechanismus, wenn er glaubt, das Verhalten zu steuern.

Aber wo ist dann da das gesetzmäßige und wo das nicht-gesetzmäßige Verhalten? Es wurden weiter oben im Zusammenhang mit Gesetzmäßigkeiten bereits Wahrscheinlichkeiten ins Spiel gebracht:

  • Ein gesetzmäßiges Verhalten ist ein Verhalten, bei dem eine Verhaltensalternative mit einer besonders hohen Wahrscheinlichkeit heraussticht. Gesetzmäßig ist ein Verhalten, das immer gelingt.
  • Bei einem nicht-gesetzmäßigen Verhalten gibt es mehrere Verhaltensalternativen mit ähnlichen Wahrscheinlichkeiten. Ein Verhalten, das nicht immer gelingt, ist dementsprechend nicht-gesetzmäßig.

"Gesetzmäßig" bedeutet in seiner Essenz auch "reproduzierbar". Etwas, das gesetzmäßig ist, können wir zuverlässig immer wieder abrufen. Ich vermeide an dieser Stelle den Begriff "Wiederholung". Man könnte auch sagen: "Gesetzmäßig" bedeutet in seiner Essenz "wiederholbar". Aber "Wiederholung" wird gleich noch eine große Rolle spielen in einer etwas anderen Bedeutung:

  • Wir können ein Verhalten wiederholen, das nicht bei jeder Ausführung gelingt. Das ist ein zentrales Element von Entwicklung. Genaugenommen wiederholen wir dann nicht das Verhalten, sondern den Versuch, das Verhalten auszuführen.
  • Wenn es jedoch heißen würde: "Gesetzmäßig" bedeutet in seiner Essenz "wiederholbar"., dann würde das bedeuten, dass ein Verhalten bei jeder Ausführung so wie beabsichtigt gelingt.

Es muss unterschieden werden zwischen:

  1. der beabsichtigten Form eines Verhaltens: Das ist die Intention, die mit einem Verhalten verbunden wird. Darauf ist die Aufmerksamkeit gerichtet. So soll das Verhalten eigentlich aussehen.
  2. der praktischen Ausführung bzw. dem praktischen Versuch, das Verhalten auszuführen
  3. dem Resultat des Verhaltens bzw. dem Erfolg des Verhaltensversuchs: Das Verhalten, das tatsächlich bei der Ausführung herauskam, stimmt mit der angestrebten Verhaltensform überein oder auch nicht.

Es wäre gut, wenn wir für alles Drei's klar getrennte Begriffe hätten. Wenn es heißt "ein Verhalten wiederholen", dann kann das entweder meinen:

  1. Ich kann ein Verhalten bei jedem Versuch erfolgreich reproduzieren.
  2. Oder: Ich wiederhole ein Verhalten, das nicht bei jedem Versuch gelingt.

In dieser Publikation wird im Zusammenhang mit erfolgreichen Verhaltensversuchen nach Möglichkeit der Begriff "reproduzieren" verwendet und im Zusammenhang mit Verhaltensversuchen (ungeachtet des Erfolgs/Misserfolgs) der Begriff "wiederholen".

Die sprachlichen Schwierigkeiten kommen daher, dass hier ein Teil der Realität beschrieben wird, der noch nicht Teil unseres rationalen Modells ist oder wenn, dann nur in einer sehr ungenauen, undifferenzierten Form. Deshalb fehlen auch entsprechende Begriffe und sprachliche Konstrukte. Am meisten schmerzt das bei "der Wahrnehmung, die ein Verhalten antreibt" (das Potential erzeugt), weil das in der Realität das zentrale Element menschlichen Verhaltens ist - auch wenn der Verstand es gar nicht wahrnimmt:

  • Es setzt das körperliche Verhalten in Bewegung und treibt es an.
  • Es lenkt den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie.
  • Es lenkt die Entwicklung materieller Gesetzmäßigkeiten.

Im Fall der natürlichen Entstehung des Verhaltens könnte man es einfach kurz und bündig als "Absicht" bezeichnen, aber im Fall einer rationalen Verhaltensentstehung ist es mit der Absicht nicht identisch. Deshalb wird es im Moment durch beschreibende Floskeln benannt, wie z.B.

  • der Fokus der Aufmerksamkeit
  • die Wahrnehmung, auf der die Aufmerksamkeit ruht
  • die Wahrnehmung, welche das Verhalten in Bewegung setzt bzw. antreibt
  • die Wahrnehmung, welche die Wirkung der Bewusstseinsenergie lenkt

Doch zurück zum gesetzmäßigen Verhalten des Körpers: Gesetzmäßig ist ein Verhalten dann, wenn es bei (nahezu) jedem Versuch reproduziert werden kann. Das psychisch gesteuerte Verhalten des Körpers lässt sich unterscheiden in

  • Verhalten, das uns immer leicht gelingt, ohne dass wir uns dafür groß anstrengen müssen
  • Verhalten, das uns zwar schon meistens gelingt, aber wir müssen uns darauf konzentrieren und uns "anstrengen", dass es gelingt.
  • Verhalten, das auch mit viel Konzentration und Anstrengung nicht immer gelingt.
  • Verhalten, das wir mit egal wieviel Konzentration und Anstrengung gar nicht hinbekommen

Das sind nicht einfach nur verschiedene Arten von Verhalten, sondern es sind (in umgekehrter Reihenfolge) gleichzeitig Entwicklungsstufen körperlichen Verhaltens:

  1. ein Verhalten zu dem der Körper gar nicht in der Lage ist
  2. ein Verhalten das ab und zu mit viel Konzentration und Anstrengung gelingt
  3. ein Verhalten das fast immer gelingt, aber jede Menge Konzentration und Anstrengung erfordert
  4. ein Verhalten das auch ohne große Konzentration und Anstrengung immer gelingt

In diesen Schritten vollzieht sich die Entwicklung körperlicher Fähigkeiten. Die Aufzählung beinhaltet bereits einige Aspekte von Entwicklung und einige kommen noch hinzu:

  • Ein Verhalten das zunächst gar nicht oder nur selten gelingt, kann im Laufe einer Entwicklung immer häufiger erfolgreich ausgeführt werden. Die Wahrscheinlichkeit für das Verhalten wächst.
  • Ein Verhalten, das nicht selbstverständlich gelingt, kostet viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Man sieht das zum Beispiel bei Spitzensportlern, wenn sie versuchen, außergewöhnliche körperliche Leistungen abzurufen. Demgegenüber steht ein Verhalten, das immer leicht gelingt, ohne dass wir dem besonders viel Beachtung schenken müssen. Im Laufe einer Entwicklung läuft ein Verhalten, das zunächst noch sehr viel Konzentration und Aufmerksamkeit erfordert, mit der Zeit "immer automatischer" ab, ohne dass man sich noch besonders darauf konzentrieren muss. "Viel Konzentration und Aufmerksamkeit" bedeutet "viel Bewusstseinsenergie". Die für ein Verhalten notwendige Menge an eingesetzter Bewusstseinsenergie sinkt im Laufe einer Entwicklung.
  • In der Aufzählung oben war nicht nur von "Konzentration und Aufmerksamkeit" die Rede, sondern auch von "Anstrengung". Das meint zwar die körperliche Anstrengung, bezieht sich aber auch auf die eingesetzte Menge an Bewusstseinsenergie. Die vom Körper eingesetzte Energiemenge ändert sich eher nicht bzw. ist das eigentlich irrelevant. (Um den Körper zu bewegen, braucht es materielle Energie aus der Nahrung. Es wird "Arbeit" verrichtet. Die dafür eingesetzte materielle Energie richtet sich nach den zu bewegenden Massen usw.) Mit Anstrengung ist aber gemeint, wie mühelos oder schwerfällig der Körper das hinbekommt. Im Laufe einer Entwicklung bekommt der Körper das gleiche Verhalten mit der Zeit immer leichter hin und mit immer weniger Anstrengung. Das wiederum erfordert dann weniger Bewusstseinsenergie, denn große körperliche Anstrengung bindet durch die entsprechende Körperempfindung Aufmerksamkeit und verlangt mehr Erholungspausen. Was der Körper ohne Aufhebens mühelos abspult, verlangt kaum Aufmerksamkeit.
  • Am Anfang einer Entwicklung, wenn man eine neue körperliche Fähigkeit erlernt (z.B. Tanzen, Turnen, Autofahren) oder ein neues Musikstück auf einem Instrument spielt, muss man sich auf jeden einzelnen kleinen Teilschritt des Gesamtverhaltens konzentrieren und an viele Dinge gleichzeitig denken. Die Aufmerksamkeit springt ständig hin und her zwischen vielen Teilaspekten und einzelnen Schritten. Mit der Zeit nimmt das ab. Irgendwann hat man nur noch das Verhalten als Ganzes im Auge (Fokus der Aufmerksamkeit) und der Rest läuft "wie von selbst" einfach so ab.

Lange Rede kurzer Sinn: Im Laufe einer Entwicklung

  • steigt die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen eines Verhaltens
  • und die Menge an notwendiger Bewusstseinsenergie nimmt ab.

Bezogen auf die einzelne Ausführung eines Verhaltens hängen die Menge an eingesetzter Bewusstseinsenergie und die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen eines Verhaltens unmittelbar voneinander ab: Je mehr man einer Sache Aufmerksamkeit schenkt und sich konzentriert (höherer Einsatz von Bewusstseinsenergie), umso eher gelingt es (höhere Wahrscheinlichkeit des Gelingens).

Das Bewusstsein lenkt den nicht-gesetzmäßigen (scheinbar zufälligen) Verhaltensanteil der Materie bei jeder einzelnen Ausführung in Richtung dessen, was im Fokus seiner Aufmerksamkeit ist. Es verändert durch seine Aufmerksamkeit die Wahrscheinlichkeit von scheinbar zufälligen Ereignissen.

Entwicklung basiert auf Wiederholung:

Wenn das Bewusstsein den nicht-gesetzmäßigen Verhaltensanteil der Materie in vielen Wiederholungen immer wieder in die gleiche Richtung lenkt, dann verändert sich die Materie so, dass das Verhalten zu einem gesetzmäßigen Verhalten wird.

Dieser Zusammenhang ist nicht nur die Grundlage der Evolution, sondern jeglicher Form von materieller Entwicklung.

Nicht-gesetzmäßiges vom Bewusstsein gelenktes Verhalten wird durch Wiederholung gesetzmäßiges Verhalten, indem sich entsprechende materielle Strukturen herausbilden.

Verhalten geht vom Bewusstsein auf Gesetzmäßigkeiten der Materie über. Es überträgt sich vom Bewusstsein auf die Materie durch einen kontinuierlichen Prozess materieller Entwicklung, in dem sich Gesetzmäßigkeiten neu bilden. Man könnte auch sagen: Die Materie nimmt dem Bewusstsein durch neu entstehende Gesetzmäßigkeiten Verhalten ab. Dadurch wird Bewusstseinsenergie frei und kann sich Neuem zuwenden. Das erst ermöglicht Entwicklung.

Der Verstand hat eine ganz andere Sicht auf Entwicklung. Er glaubt, Entwicklung würde von ihm ausgehen und er würde irgendwie "lernen". Eigentlich weiß der Verstand nicht, wie Entwicklung funktioniert. Er schreibt die Entwicklungen zwar sich selbst zu, hat aber nicht die leiseste Ahnung, wie das überhaupt gehen soll. Die falsche rationale Vorstellung überlagert den tatsächlichen Prozess. Die Folge davon ist:

  1. dass vom Verstand gesteuertes "Lernen" extrem ineffizient abläuft
  2. und dass der Verstand das Potential dieses Prozesses nicht erkennt und in der Folge nicht ausschöpft bzw. sogar blockiert.

Der Verstand lässt nur relativ kleine Entwicklungen zu und blockiert alle größeren Vorhaben, die er nicht mal im Rahmen seiner totalen Selbstüberschätzung sich selbst zuschreiben kann.

Jede menschliche Entwicklung ist eine vom Bewusstsein hervorgebrachte materielle Entwicklung - egal ob wir die damit verbundenen materiellen Veränderungen wahrnehmen oder nicht. Wenn wir für eine Prüfung lernen, sind es vielleicht "nur" neu gebildete Verbindungen im Gehirn. Aber es sind materielle Veränderungen. Der Verstand kann die Komplexität des menschlichen Körpers nicht annähernd erfassen. Entwicklungen, die uns schon wirklich groß erscheinen, basieren möglicherweise auf winzigen für uns nicht wahrnehmbaren materiellen Veränderungen. Krafttraining übt auch deshalb eine so große Faszination aus, weil hier körperliche Veränderungen relativ deutlich sichtbar werden. Und dennoch ist es im Kern nichts anderes, als irgendeine Form von geistiger Entwicklung oder irgendeine neu hinzugewonnene körperliche Fähigkeit, nur dass die Veränderungen andere Teile des Körpers betreffen.

Es braucht für Entwicklung keinen Verstand. Das lässt sich schon allein daran ablesen, dass die Evolution bereits ein paar Milliarden Jahre lief, bevor der Verstand erst vor ein paar Zehntausend Jahren dazukam. Der Verstand ist für das Erkennen und Anwenden von Gesetzmäßigkeiten zuständig, die nicht vom eigenen Bewusstsein erschaffen wurden. Der Verstand selbst ist natürlich ein Produkt materieller Entwicklung - genau wie jedes andere geistige oder körperliche Merkmal.

Jede noch so unbedeutend erscheinende hinzugewonnene geistige oder körperliche Fähigkeit ist im Kleinen das, was die Entwicklung des aufrechten Gangs beim Menschen oder des langen Halses der Giraffe im Großen ist. Jede noch so unbedeutend erscheinende hinzugewonnene körperliche Fähigkeit basiert auf einer materiellen Veränderung des Körpers, auch wenn wir diese Veränderungen nicht wahrnehmen, weil sie für unsere Wahrnehmung zu klein sind. (Das schließt Veränderungen im Gehirn mit ein.)

nächstes Kapitel: Bewusstsein und Materie